Wie funktioniert der Körper? Was ist die Erderwaermung? Und was hat es überhaupt mit dieser Nanotechnologie auf sich? Malin Pohlmann besuchte den "Science Express" in Indien, Madurai.
Erstmal allgemeine Informationen ...
Der Science Express ist ein Produkt deutscher und indischer Zusammenarbeit. Dabei arbeiten das Max Planck Institut (Deutschland) und das Department of Science & Technology (Indien) bis heute eng zusammen. Die Wissensausstellung auf Rädern wurde am 30. Oktober 2007 in Neu Delhi vom Premierminister Indiens und von Bundeskanzlerin Angela Merkel eingeweiht. Seitdem fährt der 16 Waggon lange Zug durch ganz Indien. Inzwischen ist er schon in seiner vierten Phase. Jede Phase ist eine Tour durch ganz Indien. Manche Orte werden doppelt besucht, doch bei jeder Phase sind es vorwiegend neue Städte. "Der Großteil der ausgestellten Modelle wurde von dem deutschen Max-Planck Institut entwickelt.", erzählt uns der Projekt Koordinator Vijay Ramaniah. Er erklärt auch, dass das Hauptziel dieses besonderen Klassenraums darin liegt, jungen Menschen die Geheimnisse der Wissenschaft näher zu bringen und ihre Neugierde zu wecken. "Der Zug soll die Schüler anregen, wissenschaftliche Fächer studieren zu wollen!".
In Madurai hielt der Science Express nun vom 4.- 5. Mai 2011.
Eintauchen in die Welt des Wissens...
Es ist mal wieder brütend heiß in Madurai, als wir auf der Plattform 9 ¾ ankommen. Nun ja, es war nicht ganz 9 ¾, aber die Plattform acht war schon ziemlich nah dran! Wir gehen vorbei an einer endlos langen Schlange, die kein Ende zu nehmen scheint. Der Eintritt ist frei. Hunderte von Menschen, jung und alt, warten darauf in den weißen Zug hinein zu kommen. Meine Begleiter Kristina, Venkatesh und auch ich sind überaus erleichtert, als wir erfahren, dass wir als Journalisten einen V.I.P-Freischein bekommen. Also können wir direkt eintreten. Fast direkt, denn es gibt strenge Regeln, damit der Zug so lange wie möglich in einem guten Zustand bleibt. Also geben wir Wasserflasche und alles Essbare ab. Unsere Handys müssen auch ausgeschaltet werden, was man hier in Indien sonst nie erlebt, denn sogar in Krankenhäusern klingeln die ständigen Begleiter. Aber hier ist es anders. Hinein in den Wissenszug!
Beim Reingehen frage ich noch das Mädchen, das hinter mir steht, wie lange sie denn bis zu diesen Moment gewartet hat. Sie antwortet, sie hätte ganze zwei Stunden in dieser unglaublichen Hitze auf den Einlass gewartet. Das verlangt nach Anerkennung! Beim Reingehen strömt einem kühle Luft entgegen. Ein Zug mit Air Condition –meiner Meinung nach eine der wichtigsten Eigenschaften im indischen Sommer. Vor uns liegen 12 Waggons gefüllt mit Wissen über den Klimawandel, das Universum, Nanotechnologie, Gentechnik, die Welt der Sinne und noch vieles mehr. Der Waggon Nummer 13 beinhaltet ausschließlich praktische Übungen, denn im Zug lautet die Philosophie: "Learning by doing!". Im 13. Waggon haben Schülergruppen vormittags per Voranmeldung die Chance, die Welt der Wissenschaft durch eigenes Erleben zu erforschen.
Waggon Nummer 1 fängt mit der Lehre über Atome an. Komischerweise hört die Schlange nach Einlass aber nicht auf. Alle Leute bewegen sich langsam vorwärts, dicht an dicht, ohne auf die Tafeln rechts und links zu achten. Das Einzige, was sie im Sinn zu haben scheinen, ist nicht den Platz in der Reihe zu verlieren. Ich bin froh, dass ich wieder eine besondere Erlaubnis habe. Und die lautet: Du darfst außerhalb der Schlange stehen! Also habe auch nur ich die Möglichkeit, all die komplizierten Dinge der Ausstellung zu lesen.
Auch im nächsten Abteil ändert sich an der Situation nicht viel. Wenn jemand stehen bleiben möchte, dann kommt sofort die Aufforderung der Angestellten, die für die Ordnung verantwortlich sind, doch bitte weiterzugehen. Mir fällt aber auch auf, dass diese Themen wirklich sehr schwer sind und ich auch nicht unbedingt das Verlangen verspüre, mir alles im Detail durchzulesen. Und da die meisten Inder und Inderinnen hier nicht sehr gut Englisch sprechen und die anderen Tafeln auf Hindi (statt der Landessprache Tamil) sind, kann ich ihr minimiertes Interesse verstehen. Auch Kalimuthu (42) hat seinen Sohn Lokesh im Alter von 12 Jahren zur Ausstellung gebracht. Er sagt, es wäre besser, wenn der Zug ein paar mehr Erklärer hätte, denn nur durch Lesen versteht sein Sohn nicht alles. Trotzdem hält Kalimuthu den Zug für ein geeignetes Mittel, um das Interesse der Jugend an der Wissenschaft zu steigern.
Doch in den nächsten Waggons ändert sich das Bild. Es gibt mehr interaktiv veranschaulichte Themen. Alle Besucher sind um einiges interessierter an Dingen, die sie selber erleben können. Und vor allem gibt es auch mehr Angestellte in blauen T- Shirts, die einem die Prozesse auf Englisch erklären. Wir fragen Sudhir Tiwari (24), wie er an seinen Arbeitsplatz gekommen ist und ob er es genießt, in diesem rollenden Klassenraum kleine Wissensvorträge zu halten. Er erklärt uns, dass die sogenannten "Communicators" vom Department of Science & Technology in Neu Delhi ausgesucht werden. Jeder muss sich einem Interview unterziehen. Erst danach wird entschieden, ob man mit dem Zug quer durch Indien auf Tour gehen darf. Wo er denn schläft, wenn der Zug hält, wollen wir wissen. Er schläft in Hotels. Es gibt zwar einen Waggon für die Angestellten, aber es sind so viele, dass nicht alle hineinpassen. Zuletzt sagt er, er genieße es hier zu arbeiten und ist stolz darauf, obwohl das bedeutet, keine Ferien zu haben.
Neben den Arbeitern, die immer mit dem Zug mitreisen, gibt es auch freiwillige Mitarbeiter aus den jeweiligen Städten. Es war sogar schon einmal eine Deutsche für drei Monate mit dabei, erfahren wir später im Gespräch mit dem Koordinator.
Auch wenn es für manche nicht ganz einfach ist, alles zu verstehen, so gibt es trotzdem überaus eifrige Schüler und Studenten im Zug, die sich auf ihren Schreibblöcken eifrig Notizen machen. So machen es auch P. Vishnu Varthan (14) und sein kleiner Bruder Nandha Krishore (11). Sie sind mit ihrer Großmutter S. Kasthuri hierher gekommen. Ich merke sofort, dass ihre Großmutter Lehrerin ist. Ihre laute, durchdringende Stimme und ihr unbändiger Wille, alles Wissenswerte (also alles) aufzunehmen und ihren Enkeln zu erklären, zeigen es sofort. Wir befinden uns im Abteil über Biologie. Es geht um DNA und Chromosomen. Der ältere Bruder erzählt ganz aufgeregt, dass er alles lernen möchte. Vor allem interessiert ihn das Thema des menschlichen Körpers. Er möchte nämlich
Doktor mit Schwerpunkt auf Diabetesbehandlung werden. Sein kleiner Bruder P. Nandha Krishore möchte zwar kein Wissenschaftler oder ähnliches werden, doch auch sein Traumberuf Pilot setzt Wissen über Atome und Luftströmungen voraus. Also sind die beiden hier genau richtig. Wer weiß, vielleicht wird aus dem Berufswunsch "Pilot" ja spaeter "Raumfahrer". Und über Raumfahrt kann der elfjährige Junge hier eine Menge erfahren.
Also lassen wir die drei weiter den Zug erkunden und widmen uns dem nächsten Waggon. Ein sehr interessantes Thema, so finde ich: Es heißt "Let's talk – Nutritution, Health, Wellness". Aber die Besucher scheinen mein Interesse nicht zu teilen. Eine Ernährungspyramide erklärt, welche Lebensmittel und welche Nährstoffe man vermeiden und welche man in größeren Mengen aufnehmen sollte. Und wenn man so darüber nachdenkt, dann sollten die meisten Einheimischen dem mehr Aufmerksamkeit schenken, denn Zucker, Öle und Fette stehen ganz oben und somit als kleinster Anteil bei der Pyramide. Da muss ich nur an den unglaublich süßen Kaffee und Tee und die vielen frittierten Snacks denken. Wie auch immer, die uniformierte Mädchenschülergruppe schenkt zumindest dem Flachbildfernseher neben mir große Beachtung.
Wir treffen viele Schülergruppen. Die Mädchen sind stets aufgeregt, wenn sie uns sehen. Sie bleiben aber immer anständig, ganz im Gegensatz zu den Jungengruppen, die immer vollkommen verrückt spielen, wenn wir an ihnen vorbeikommen. Doch alle miteinander sind außer Rand und Band, als wir in den Waggon über Umweltprobleme kommen. Der Grund liegt zwar nicht darin, dass sie die Informationen über alternative Energiequellen oder die dramatischen Ereignisse des Treibhauseffekts so aufregen, doch immerhin haben sie Spaß. Es gibt wieder etwas Interaktives, was die Jugendlichen immer ganz besonders anzuziehen scheint: Man kann Knöpfe drücken, wodurch man aussagt, was man persönlich für die Umwelt tun kann. "Wenn ich Licht und Ventilator nicht brauche, schalte ich beides aus!", sagt z.B. ein Knopf. Alle drücken ganz enthusiastisch auf alle Knöpfe, manche sogar zwei- oder fünfmal. So entsteht bei mir der Eindruck, dass sie gar nicht verstehen, was sie dort eigentlich machen. "Weißt du, warum du diesen Knopf drückst?" frage ich ein Mädchen im Alter von elf Jahren. Nein, sie weiß es nicht. Nachdem ich es ihr erkläre, nickt sie etwas beschämt und bedankt sich ganz freundlich.
Schließlich sind wir im letzten Waggon angekommen. Hier werden noch einmal alle Themengebiete genannt: Mathematik, Biologie, Physik und Chemie wurden in den vorherigen elf Ausstellungswaggons in bzw. aus unterschiedlichen Aspekten und Blickwinkeln behandelt. Nun wird es Zeit für uns, dieses Universum des Wissens zu verlassen. Es war eine interessante Reise durch alle Gebiete der Wissenschaft, auch wenn ich nicht alles verstanden habe. Man braucht eben doch Interesse für die Sachen, die man lernen soll. Das weiß wohl jeder Schüler und jede Schülerin. Begeisterte Naturwissenschaftler werden in diesem Zug jedoch in jedem Fall ihr Heiligtum finden!
This month, Ariane Lecuyer (France) and Leonie Rodenbuecher (Germany) met Dr. Jesuraj Mascarenas of the Pasam Trust - an extraordinary surgeon who dedicates his life to providing healthcare to people living in poverty in rural areas around Kodaikanal, Tamil Nadu; and James Lees (Australia) spends "A Day in the Life of a Rickshaw Driver" - the first in a new series that explores the professions of Madurai's people.
A Black and White Era in Journalism
A Glorious Architectural Heritage
