shit… – Eine Straße in Madurai

“shit…” ist ein Dokumentarfilm, der in 26 Minuten das Leben einer Frau namens Mariammal zeigt. Sie ist eine Putzfrau, die im Zentrum von Madurai dafür zuständig ist, die Hinterlassenschaften aller anderen vom Boden aufzukehren. Produziert wurde der Film von Amudhan R.P. im Jahr 2003 in Madurai, Tamil Nadu.

Bakiammal : un esprit controversé

Mit diesem Film will der Journalist Amudhan Anstoß zum Nachdenken geben. Der Film ist Kritik. Er ist Kritik an der Regierung und an dem Kastenwesen. Denn das Kastenwesen ist zwar laut Gesetz abgeschafft, aber in der Gesellschaft wird es noch weitgehend, wenn auch längst nicht mehr ausschließlich, praktiziert. Der Film wirft die Frage auf, weshalb Mariammal überhaupt den Weg entlang der Tempelmauer von Exkrementen befreien muss. Denn die öffentliche Toilette ist nicht weit. Amudhan verfälscht bei seinem Film nichts. Er zeigt alles so, wie es in der Realität geschieht. Denn gerade mit dieser Direktheit, die auch schon der Titel “shit…” ankündigt, möchte er seine Zuschauer schocken. Warum muss eine Frau eine komplette Straße von “Scheiße” befreien

Ganz einfach würde man sagen: Es ist ihre Arbeit. Für “Madurai Municipal Corporation” arbeiten noch 2700 weitere Angestellte wie sie. Mariammal arbeitet für die Regierung und bekommt Geld dafür. Es scheint eine faire Angelegenheit zu sein. Aber ihr Lohn beträgt nur 3000 Rupies im Monat. Das entspricht in etwa 50 Euro. 50 Euro für 20 Jahre Arbeitserfahrung und für sechs hungrige Söhne, die versorgt werden müssen. Denn einen Ehemann gibt es nicht mehr. Ihr Mann trank zu viel Alkohol, was ihm eines Tages zum Verhängnis wurde. Natürlich sind die Lebenshaltungskosten in Indien auch niedriger als in Deutschland, aber trotzdem sind 3000 Rupies für solch eine Arbeit und zum Versorgen von sechs Kindern nicht gerade viel. Auf 30 Tage eines Monats verteilt, hätte Mariammal gerade mal 100 Rupies pro Tag zur Verfügung – umgerechnet circa 1,60 Euro. Das ist vielleicht ein Gehalt, von dem man überleben kann, aber auch nicht mehr.

Ist der Lohn also gerechtfertigt für eine Arbeit, bei der man in Kauf nehmen muss, zahlreiche gefährliche Krankheiten wie Malaria, Cholera, Asthma und Krebs zu bekommen? Außerdem muss die Frau den Gestank der Exkremente aushalten. Sie beschwert sich, bereits Kopfschmerzen und Atemprobleme von den aggressiven Ausdünstungen bekommen zu haben. Und Rückenprobleme bekam sie vom Tragen des schweren, mit Fäkalien gefüllten Eimers. Ihre einzigen Hilfsmittel sind eine Art Kehrschaufel, Asche, ein Besen und ein Eimer. Die Asche soll helfen den Gestank etwas zu reduzieren. Doch es gibt keine Handschuhe oder Sonstiges, um sich vor dem Kontakt mit den Hinterlassenschaften zu schützen. Und selbst die einfachen Arbeitsmittel wie Eimer oder Kehrschaufel vom Staat zu bekommen, ist manchmal schwer, erzählt die Protagonisten, Mariammal. Es sei sogar schon vorgekommen, dass sie von ihrem eigenen Geld für 80 Rupies einen Eimer kaufen musste. Oder dass sie sich die Kehrschaufel selber machen musste, indem sie etwas Nützliches in der Nähe der Toilette gefunden hatte und es dann zur Kehrschaufel formte. Die Arbeitsbedingungen sind schlecht für die sanitären Arbeiter. Mariammal arbeitet um die 15 Stunden pro Tag. Von morgens bis abends den Kot von fremden Menschen zusammenfegen und auf dem Kopf zu seinem Bestimmungsort tragen?

Ja, denn kaum hat Mariammal die Asche in der Straße verteilt und einen Teil der Straße gesäubert, kommen die ersten Kinder wieder. Sie hocken sich mitten in die Straße und fangen an den Weg entlang der Templemauer als Toilette zu benutzen. Jemand macht es sauber. Das sehen sie doch. So entsteht also die Frage, wo ist der Sinn für eine funktionierende Stadt bei den Menschen? Sie denken